Monarchie zwischen Märchenland & Moderne

 

Festlich beleuchtetes Royal Opera House

 

Wie in keinem anderen arabischen Staat der Golfküste ist es Sultan Qaboos bin Said Al Said in Oman gelungen, den schwierigen Spagat zwischen wertvollem Kulturgut und dem Fortschritt als perfekte Symbiose zu gestalten.

 

Alte Traditionen führen in die Neuzeit

Ob es um die Drei Heiligen Könige auf der Weihrauchstraße geht, um Sindbad den Seefahrer oder Aladin mit der Wunderlampe: Oman präsentiert sich noch heute als ideale Kulisse für geheimnisvolle Märchen, Mythen und Legenden, die zur spannenden Spurensuche auffordern. Denn trotz Ölreichtum und Modernisierung ist hier noch der alte Orient lebendig! Das vermitteln allein schon die landesweit getragenen bodenlangen Gewänder der Gastgeber.

Die Omanis leben nach althergebrachten Traditionen, zu denen auch ein hohes Maß an Gastfreundschaft und Weltoffenheit zählt. Schließlich hat der 5.000-jährige Seehandel mit Afrika und Asien seine Spuren hinterlassen – wie auch die von Toleranz geprägte Ibadiyah- Ausrichtung der muslimischen Staatsreligion. Für die Frauen in Oman bedeutet das: kein Schleierzwang, gleiche Berufschancen, das Wahlrecht und auch den Zugang zu Ministerämtern. Das liegt Sultan Qaboos bin Said Al Said in besonderer Weise am Herzen: Als Staatsoberhaupt und Regierungschef ist es dem engagierten Monarchen gelungen, sein Land zielstrebig und behutsam zugleich in die Neuzeit zu führen. Der von der Bevölkerung aufrichtig verehrte Landesvater, dessen Familie Oman schon seit dem 18. Jahrhundert regiert, konnte 2010 ein glanzvolles 40-jähriges Thron-Jubiläum zelebrieren.

Seine Majestät Sultan Qaboos bin Said Al Said

Sultan Qaboos Moschee bei Nacht

Toleranz und Technologie

Geboren am 18. November 1940 in Salalah als achter Nachkomme der Al Busaid Dynastie, besuchte Sultan Qaboos mit 17 Jahren eine Privatschule in Großbritannien. Als Kadett der Militärakademie Sandhurst bzw. Angehöriger der britischen Rheinarmee diente er unter anderem in Deutschland – und erwarb sogar ein Domizil in Garmisch-Partenkirchen. Nach einer dreimonatigen Reise durch Europa und Asien kehrte der Thronfolger 1964 nach Oman zurück, und lebte auf Wunsch seines Vaters die nächsten Jahre in Salalah, wo er sich dem Studium des Islam sowie der Geschichte und Kultur seiner Heimat widmete. Beachtlicher Weise gelang ihm schon bald nach der Regierungsübernahme am 23. Juli 1970 die Befriedung und Aussöhnung der rivalisierenden Stammesgruppen – die wichtigste Grundlage für den märchenhaften Aufstieg und die Stabilität des Landes.

Kunstvolle Hand-Malerei mit Henna, Kind in traditioneller Tracht, Töpferkunst, Musikgruppe und Tänzer bei einem Fest, Panoramastraße bei Muscat

Straßen und Schulen bis zur letzten Oase

Von der Landesfläche ist der am östlichen Rand der Arabischen Halbinsel liegende Oman mit 309.500 Quadratkilometern zwar fast so groß wie Deutschland, aber nur dünn besiedelt. Die 2,8 Millionen Bewohner bestehen zu etwa 80 % aus Omanis. Die übrigen 20 % stammen vorwiegend aus Indien, Pakistan und Europa. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Omanis liegt inzwischen bei 74 Jahren, während die Hälfte der Bevölkerung unter 20 Jahre alt ist. Für eine zeitgemäße effiziente Bewältigung des alltäglichen Lebens sorgt nicht zuletzt die kontinuierlich entwickelte Infrastruktur: Hatte es beim Amtsantritt von Sultan Qaboos lediglich zehn Kilometer Asphaltstraße, zwei kleine Krankenhäuser und zwei Schulen gegeben, präsentiert sich das heute bis zum abgelegensten Oasendorf reichende Netz aus Straßen, Schulen und Krankenstationen als perfekt ausgebaut.

Der Wohlstand des Sultanats basiert vor allem auf der in den 1960er Jahren begonnenen Erdölförderung, doch das Land will seine Wirtschaft künftig breiter gliedern. Hierbei soll auch der Tourismus helfen. Schließlich gibt es in Oman nicht nur spektakuläre Naturwunder, herrliche Badestrände und das Ambiente von Tausendundeinernacht, sondern auch moderne Luxushotels im Gewand orientalischer Märchenpaläste, und: fast jeden Tag strahlenden Sonnenschein! Die sichere Wärme beflügelt immer mehr Winter-Flüchtlinge, auch für längere Zeit einzufliegen oder sich sogar in einer der Luxus-Siedlungen niederzulassen, wie sie in mehreren Küstenregionen aus dem Sand gewachsen sind.

 

Musik und Tanz im Rhythmus der Wüste

Zu den Möglichkeiten, dieses faszinierende Land mit allen Sinnen zu erleben, zählt nicht zuletzt auch die omanische Musik. Zwar müssen sich westliche Ohren erst einmal an ihren Takt gewöhnen, doch wer sich darauf eingelassen hat, wird begeistert den eingängigen Rhythmus genießen – und vielleicht sogar mittanzen. Dass nur sieben der 35 traditionellen Instrumente Melodien erzeugen können, unterstreicht den stets dominierenden Rhythmus. Neben Blasinstrumenten und Schellenkränzen werden die verschiedensten Schlaginstrumente genutzt, um traditionelle Kriegsweisen, Beduinen- und Seemannslieder oder Festtanze erklingen zu lassen. In diesen auch asiatische und afrikanische Stilelemente enthaltenden Genuss gelangen Urlauber oft überraschend schnell, weil bei den meisten Anlassen des öffentlichen Lebens ausgiebig musiziert, gesungen und getanzt wird.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, hat Sultan Qaboos Bin Said Al Said nicht nur das Oman Centre for Traditional Music (OCTM) ins Leben gerufen, sondern auch für jede omanische Stilrichtung eine staatlich geforderte Musikgruppe sowie ein großes Symphonieorchester. Es ist kein Zufall, dass es fast zur Hälfte aus Frauen besteht: Im Vergleich zu vielen anderen arabischen Ländern dürfen beide Geschlechter auch an Musik und Tanz in gleicher Weise teilhaben. Ausschließlich Männern vorbehalten bleibt jedoch der Tanz Razha, der gern zur Begrüßung und Ehrung des Sultans aufgeführt wird. Die dabei durch die Luft fliegenden Schwerter lassen erahnen, dass es sich um einen ehemaligen Kriegstanz handelt.

Höchste internationale Anspruche kann Oman mit dem neuen Royal Opera House erfüllen: Erst Ende 2011 in Muscat mit Aufführungen der drei berühmten Werke Carmen, Schwanensee und Turandot feierlich eröffnet, bietet das königliche Opernhaus 1.100 Platze und zeichnet sich durch eine ansprechende Architektur, viel avantgardistische Technik und eine bestechende Akustik aus.