Festungen aus Lehm 

 

Innenhof eines Forts

Meisterwerke der Baukunst

Wenn es um omanische Architektur geht, sind damit fast ausschließlich trutzige Wehrbauten gemeint – und zugleich die wichtigsten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten des Sultanats.

Grundbaustoff Lehm

Kein anderes Land der Arabischen Halbinsel besitzt heute noch so viele Stadtmauern, Forts, Palastfestungen, Wohnburgen, Wehrhäuser und Wachtürme wie Oman. Meist zwischen 150 und 300 Jahre alt, erzählen die eindrucksvollen Verteidigungsanlagen auf spannende Weise davon, wie sie über Jahrhunderte hinweg die Karawanenwege,Wasserquellen und eigentlich das ganze Land vor Fremdherrschaft beschützt haben. Die berühmtesten Trutzburgen finden sich in Muscat, Nizwa, Birkat al-Mauz, Jabrin, Bahla, Barka, Sur, Sohar, Nakhl, Rustaq, Al-Hazm oder Buraimi und fallen meist schon von weitem ins Auge, da sie auf Hügeln oder Felsen thronen. Damals ausschließlich aus Lehm erbaut und durch einen Wandel der Machtverhältnisse mitunter schnell dem Verfall preisgegeben, bemüht sich die Regierung heute mit großem Aufwand, die betagten Wehrbauten möglichst originalgetreu zu erhalten. Schließlich stellen die Festungen mit ihren verwinkelten Gängen und Geheimtüren, dem Gewirr aus verschachtelten Gemächern und Galerien mit gusseisernen Geschützen ja auch eine erstklassige Touristenattraktion dar.

 

Forts der Moderne

Dass die Festungsarchitektur von einst noch heute elementar im Bewusstsein der Omanis verankert ist, lässt sich sogar an vielen neuen Luxusvillen ablesen. Als ansehnliche Miniaturforts der Moderne prägen sie ganze Stadtviertel und faszinieren – wie fast alle Bauten in Oman – durch eine gelungene Symbiose aus zeitgenössischen Baumaterialien und klassischen Stilelementen. Bogenfenster, Balustraden und Balkons zählen dazu, aber beispielsweise auch Türmchen, Erker und Zinnen. In Altstadtquartieren oder mancher Oase finden sich zuweilen noch einige der profanen Lehmhäuser, die den Alltag der einfachen Bevölkerung widerspiegeln. Abgelegene Gegenden können sogar noch mit traditionellen Areesh Hütten aufwarten, die luftdurchlässig aus den Stämmen, Wedeln und Fasern von Palmen errichtet werden. Als ebenso optimal an die schwierigen geographischen Gegebenheiten angepasst zeigen sich die archaischen, spartanischen Steinhäuser in den unwirtlichen Gebirgszügen: Halb im Boden versenkt oder unter Felsvorsprüngen errichtet, sind siemit bloßem Auge oft kaum auszumachen.

Kanone an einem Festungstor, Perfekte Symbiose aus Alt und Neu