Vom Krummdolch und verlockenden Kleinodien

 

 

Ein Bummel durch die Gassen der omanischen Basare führt zu Meisterwerken einer faszinierenden Handwerkskunst, die sich noch heute an alten Traditionen orientiert.

Traditionelle Khanjar

Obwohl er auf das westliche Gemüt etwas martialisch wirken mag und mit seiner scharfen Klinge zu einer gefährlichen Waffe werden kann, ist der Khanjar voller Schönheit und Anmut: Die Scheide aus purem Silber, der Griff aus Elfenbein oder Horn und der dazugehörige Gürtel in kunstvoller Kleinarbeit mit filigranen Silberfäden bestickt, ist es besonders der von den Omanis noch heute zu besonderen Anlässen getragene Krummdolch, der die Fertigkeit und Faszination des einheimischen Kunsthandwerks symbolisiert. Nach uralten Traditionen hergestellt wird er vor allem in Nizwa, das für seine ausgefeilte Silberschmiedekunst berühmt ist.

Obwohl die Omanis heute eher filigrane Pretiosen aus Gold bevorzugen, haben die traditionellen Silberschmuckarbeiten das Sultanat einst weit über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht. Ob als ansehnliche Colliers, Arm- und Fußreifen, Kopfbänder, Ohrbehänge, Talismane oder Schatullen für Koranverse: Überall auf der Arabischen Halbinsel galt der raffiniert gearbeitete Silberschmuck aus Oman als wertbeständiges Geschenk der Männer an ihre Frauen. Dahinter steckte nicht zuletzt der legendäre Maria Theresia Taler: Ab 1780 in Europa kursierend, 28 Gramm schwer und einen hohen Silbergehalt von 85 Prozent aufweisend, überschwemmte er die Region als Zahlungsmittel im Kaffeehandel. Meist wurde er eingeschmolzen oder auch im Original zu Schmuck verarbeitet, wie sich noch an manchem lukrativen Fundstück in den Souks nachvollziehen lässt. 

Kreatives Wohndekor

Ohnehin entpuppen sich die verwinkelten Basare als ideale Fundgrube für das omanische Kunsthandwerk. Zwischen restaurierten Schnabelkannen, Öllampen, Weihrauchbrennern, Truhen oder Musikinstrumenten finden sich von Beduinenfrauen aus Tierhaaren gewebte farbenfrohe Tücher und Teppiche, herrlich getöpferte Schalen und Krüge, aus Palmwedeln geflochtene Matten und Taschen oder betörende orientalische Duftstoffe wie Amber, Myrrhe, Patschuli und Jasmin. Das edle Parfüm Amouage präsentiert sich sogar als Meisterwerk aus 120 natürlichen Substanzen – darunter kristallklarer Weihrauchharz aus Dhofar oder Felsenrosen vom Jebel Akhdar.

Mancherorts zeugt modernes, originelles Wohnaccessoire von einer kreativen Neubelebung traditioneller Handwerkskunst: Alte Silberketten finden sich zu verglasten Wandbildern arrangiert, geschnitzte Holztüren in rustikale Tischplatten verwandelt oder reich verzierte Fensterrahmen als stilvolle Spiegel.

Kunst des Korbflechtens 

Silberschmuck als verlockendes Mitbringsel