Auf den Spuren von Raffles

Sir Thomas Stamford Raffles ist in Singapur allgegenwärtig. Und dies nicht nur in Form der vielen nach ihm benannten Orte und Monumente: auch seine städtebaulichen Vorstellungen prägen die Stadt bis heute.

 

Ein Spaziergang auf den Spuren Raffles beginnt logischerweise an der Landing Site am Singapore River. 1819 setzt der Angestellte der britischen East India Company hier erstmals einen Fuß auf singapurischen Boden. Den passenden roten Teppich hat er selbst mitgebracht. Dies jedoch nicht aus Eitelkeit, sondern um den Verhandlungen mit dem lokalen Herrscher, dem Temenggong (Sultan) von Johor, einen ernsten Touch zu verleihen.

Und, wichtiger noch, er ist bereits ein echter Asien-Kenner, spricht fließend Malaiisch, hat als Gouverneur von Java das bis dato fundamentalste Werk über die Geschichte Javas geschrieben, die indonesische Tempelanlage Borobodur entdeckt und nebenbei auf der Insel auch noch die Sklaverei abgeschafft. Doch nun hat Raffles eine ganz andere Aufgabe im Gepäck: Es gilt, für die Briten einen geeigneten Stützpunkt entlang der Handelsroute Kalkutta-Kanton zu finden. Das kaum besiedelte Singapur mit seinem natürlichen Hafen scheint ideal.


Für jeden etwas
 

Nachdem er mit dem Temenggong einen Vertrag ausgehandelt hat, trifft Raffles die erste, grundlegende Entscheidung: Singapur soll ein Freihafen werden, der keinerlei Zölle erhebt – ein Grundsatz, dem Singapur in vielen Fällen heute treu geblieben ist. Innerhalb weniger Jahre verwandelt sich die kleine Siedlung in einen der wichtigsten Handelsplätze für den Ost-WestWarenumschlag.

Doch Raffles interessiert sich nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt: Logisch, dass der aufstrebende Hafen Menschen aus aller Welt anzieht. Bereits früh machte er sich daher Gedanken, wie mit dem Gemisch der verschiedenen Kulturen umzugehen sei. Als er 1822 erneut nach Singapur kommt, wird ihm klar: Die Stadt braucht einen Besiedlungsplan. Raffles gründet ein Stadtkomitee, mit dem er die Bedürfnisse der verschiedenen ethnischen Volksgruppen abstimmen will. Für Raffles scheint die Trennung der Siedlungsgebiete die einfachste Methode, alle Bewohner nach ihrer Façon glücklich zu machen: Jede Volksgruppe bekommt also im „Jackson Town Plan“, benannt nach dem damaligen Landvermesser Philip Jackson, ein eigenes Siedlungsgebiet zugewiesen: Die Chinesen lässt er südöstlich des Flusses siedeln, in Kampong Glam sollen die malaiischen und arabischen Moslems wohnen, in Bugis bringt er das Seevolk der Bugis unter.

Sämtliche Verwaltungsinstitutionen und Regierungsgebäude sollten am nördlichen Ufer des Singapore Rivers gebaut werden. Auch die Inder erhalten nördlich von Chinatown ein eigenes Viertel. Sie sind jedoch mit der Zuteilung nicht glücklich, da sich das vorgesehene Areal nicht zur Rinderhaltung eignet – und wechseln nach und nach ins heutige Little India. All dies ist bis heute sichtbar: Der Weg durch die ethnischen Viertel ist auch fast 200 Jahre später noch ein Spaziergang nahezu exakt entlang der Grenzen Raffles!


Mehr als nur Pläne
 

Sogar das erste Landaufschüttungsprojekt der Stadt – dem noch viele folgen sollten – geht auf Raffles Initiative zurück: Um die sumpfigen Gebiete des South Boat Quays trockenzulegen, lässt er 1822 einen Hügel am heutigen Raffles Place abtragen und das Ufergebiet verstärken.

Die Vorstellungen des Stadtgründers reichen jedoch weit über die Stadtplanung hinaus: Drogen und Glücksspiel will er nicht zulassen, genauso wie den Sklavenhandel. Für ihn ist das Wohlergehen der Bewohner ein zentrales Anliegen, gleichfalls die Bildung. Persönlich setzt er sich für die Gründung des „Singapore Instituts“ ein, der ersten Schule der Stadt. Selbst wird er übrigens nicht reich: Als er 1824 nach England zurückkehrt, besitzt er eine umfangreiche naturwissenschaft- liche und geschichtliche Sammlung, aber kaum finanzielle Mittel.

In Singapur selbst hält man ihn seither in Ehren: Vom Raffles Hotel bis zum Raffles Place und dem Swissotel – The Stamford (zur Abwechslung wurde hier der Vorname verwendet) erinnern zahlreiche Orte an ihn.

Video "Lyrical- Famous Buildings and Architecture in Singapore"